Optionsscheine, Frontrunning und elektronischer Handel – ein Erfahrungsbericht

Optionsscheine, Frontrunning und elektronischer Handel – ein Erfahrungsbericht
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Roman Kurevic - Geschäftsführer

A long time ago, in a galaxy far, far away…das STAR WARS Intro kann man auch sehr gut auf den Börsenhandel anwenden. Dieser hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich verändert.

Könnt ihr euch heute noch vorstellen, für die Kursabfrage von Optionsscheinen telefonische Infos auf einem Tonband abzufragen? Oder den Kursteil einer Zeitung am nächsten Tag durchzublättern? Heute bekommt man diese Informationen kostenlos, zeitnah und völlig selbstverständlich aus dem Internet. Für einen Chart muss man nicht tausende von Deutschmark ausgeben, sondern kann richtig gute Angebote günstig in € oder auch völlig kostenfrei nutzen.

Wollte man zu der damaligen Zeit eine Wertpapierorder platzieren, musste man zu seiner Hausbank gehen. Eine einzelne Order war unbeschreiblich teuer, doch man hatte einfach keine andere Wahl. Zumindest konnte man seine Order nach einer gewissen Zeit auch telefonisch aufgeben. Wie lange dieser Auftrag dann tatsächlich an die Börse brauchte? Who knows, man war ja froh, dass man überhaupt mitspielen durfte.

Direktbanken machen Börsengeschäfte erschwinglich und für jeden zugänglich

Dann kamen die Direktbanken und ermöglichten den Börsenhandel für jedermann, zu bezahlbaren Konditionen und auch schon im Internet. Man tippte seine Order einfach ein und hatte auch schon zeitnah eine Ausführung. Im schlimmsten Fall konnte man dies ohne Probleme telefonisch machen. O brave new world!

Als ich dann meine Bankausbildung machen durfte, eröffnete sich mir eine völlig neue Welt. Ein „Mini-Internet“ der Bank ermöglichte es, mit anderen Menschen zu kommunizieren, und Börsenkurse konnte ich fast in Echtzeit abzurufen. Leider habe ich das geschäftliche Potential für eine neue Produktidee damals nie erkannt. Aber das Internet war ja zu jener Zeit auch noch kein Alltagsgut und nur Insider kannten es schon.

Wir hatten zum Beispiel auch noch keine Mobiltelefone, die waren damals so groß wie Backsteine und für Normalsterbliche unbezahlbar. Dann wurden sie wirklich deutlich kleiner und kostengünstiger. Heute geht es wieder zurück in Richtung Backstein und auch die Preise ziehen wieder etwas an.

Richtige Zocker handelten Optionsscheine

However, zu dieser Zeit war auch der Handel an der Börse noch sehr behäbig für heutige Verhältnisse. Wer echte Action wollte, musste natürlich Optionsscheine handeln. Ein Trend, der damals vor allem durch die japanische Superhausse bis 1989 zu uns auf die Märkte schwappte.

Auch die Telebörse war damals noch ein ganz neues Fernsehformat – Friedhelm Buschs Kommentar zum Terminmarkt unvergessen: „Hier wackelt der Schwanz mit dem Hund!“

Auch waren Aktien optisch richtig teuer. Eine Allianz Aktie bewegte sich beispielsweise noch im Bereich von drei braunen Scheinen (1.000 DM Schein), aber es gab ja Gott sei Dank den „günstigeren“ Optionsschein!

Der Börsenhandel wird komplett elektronisch

Trends existierten natürlich auch zu dieser Zeit schon – allerdings eben nicht von jedermann wirklich umzusetzen. Die DTB (Deutsche Terminbörse) veränderte die Börse dann grundlegend. Dort mussten die Händler die Orders komplett elektronisch in das System eingeben und mehr oder weniger direkt miteinander handeln. Dies übernahm die Deutsche Börse dann auch auf XETRA für den Aktienhandel und so starb der klassische Parketthandel aus.

Die Volatilität nahm dann allerdings deutlich zu.

Eine Order wurde jetzt direkt umgesetzt und niemand prüfte mehr die Sinnhaftigkeit einer Eingabe. Tippt jemand statt der Stückzahl (z.B. 500 Stück) die Wertpapierkennummer 650 000 ein, löst man eben ein kurzes Chaos aus. Oder man gibt einfach mal eine Basket-Order für den Future-Verfall ein paar Sekunden zu früh ein. Die Kurse bewegen sich sofort und kein Mensch hat(te) die Chance, sich so schnell darauf einzustellen.

Wer eine sehr gute Chartanbindung hatte, konnte das ganze Spektrum an der Börse abarbeiten.

Durch die neuen Systeme hatten alle Marktteilnehmer fast die gleichen Chancen. Damals konnte man auch im kurzfristigen Bereich noch eine Menge erreichen. Wie stolz war ich auf meine 13 Minuten-Charts und deren erfolgreiche Umsetzung. Fehlsignale gab es natürlich auch schon, aber doch deutlich seltener als heutzutage.

Frontrunning verändert die Börsenwelt

Dann kam das „legale Frontrunning“ der Computer und veränderte erneut die Börsenwelt und in meinen Augen auch das Trading.

Unter Frontrunning versteht man klassisch die Ausführung einer eigenen Order des Maklers oder Händlers, bevor er eine bestehende Kundenorder in die gleiche Richtung ausführt. Selbstverständlich ist dies illegal und verboten. Für die „High Frequency Trader“ wurde dies dann aber legalisiert.

Eine Xetra Plattform von der deutschen Börse aktualisiert alle 250 Millisekunden die Preise. Auch der Versand einer Order bzw. die Ausführung benötigt in etwa diese Zeit. Die Maschinen der großen Anbieter benötigen lediglich 50 Millisekunden (oder schneller).

Dies bedeutet: bevor Du einmal handeln kannst, haben die Maschinen dies schon vier Mal umgesetzt.

Die besten Limite sind für den Normalsterblichen unerreichbar geworden.

Die Börse kassiert neben den üblichen Handelsgebühren auch Miete für Server und Leitungen. Deswegen ist das ganz legal, denn jeder könnte dies umsetzen. Hallo? Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?

Also haben leider doch nicht alle die gleichen Chancen. Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind eben gleicher als andere.

Handelsmaschinen dominieren das kurzfristige Trading

Die Maschinen setzen unglaublich viele Strategien um, lesen beispielsweise Orderbücher, versuchen Fehlausbrüche auszulösen und dann die Gegenseite einzunehmen.

Aber auch Trends werden ziemlich aggressiv umgesetzt. Gerade hier sehe ich den Vorteil für den kleinen Trader in der heutigen Zeit. Allerdings völlig differenziert zu der weit verbreiteten Annahme, man müsse viel, oft und schnell handeln!

Hier hat man in meinen Augen keine Chance mehr. Es gibt sicherlich auch heute noch Strategien, die einem einen Vorteil bieten. Aber diese werden sehr selten sein. Man muss permanent ein Auge auf die Märkte haben, und man ist ständig im Kampf mit den schnellsten, kräftigsten und emotionslosen Maschinen.

Selbst wenn man profitabel arbeitet, verschleißt man doch sehr schnell. Die Hektik kostet einfach viel Kraft und vor allem Lebensqualität.

Längerfristiges Trading als Schlüssel zum Erfolg

Entschleunigung und Trendfolge bringt den langfristigen Erfolg!

In den heutigen schnelllebigen Zeiten klingt es mehr nach Verzweiflung. Aber auch der langsame Igel wusste, wie man den schnelleren Hasen trickreich besiegen kann!

Da wir die großen Adressen und deren Computer in den kurzen Zeitabschnitten (< 4 Stunden) nicht schlagen können, müssen wir uns zeitlich anders positionieren, um erfolgreich zu sein. Meine Empfehlung ist die Woche, danach der Tag und dann der 4-Stundenchart.

Nividia (NVDA) Aktienkurs im langfristigen Aufwärtstrend (Wochenchart)

Wochenchart der Nividia (NVDA) im langfristigen Aufwärtstrend

Die Woche bietet viele Vorteile:

  1. Man kann am Wochenende frei von Emotionen die Entscheidungen für die Eröffnung am Montag umsetzen – das Stop Loss festlegen und die Positionsgrößen berechnen
  2. Man muss nicht die ganze Woche die Kurse verfolgen, sondern kann seiner normalen Arbeit nachgehen oder seine Lebensqualität deutlich erhöhen
  3. Fehlsignale und Handelsfrequenz werden deutlich reduziert
  4. Geringere Handelskosten und klare Struktur für Ein- und Ausstieg
  5. Handelsmodelle können auf kostenloser Plattform umgesetzt werden
  6. Es können weltweit alle Märkte eingesetzt werden

Dadurch handelt man eben nur dann, wenn man freie Gelder hat, es klare und eindeutige Signale gibt (52 Wochenhoch oder Allzeithochs).

Auch bekommt man ein gutes Gefühl, welcher Markt sich gerade in einer Hausse oder Baisse befindet.

Man ist nicht mehr der Knecht der Börse, sondern kann ziemlich entspannt die positiven Wahrscheinlichkeiten ausnutzen, um überdurchschnittliche positive Renditen einzufahren.

Geht man zeitlich eine Ebene tiefer in den Tageschart muss man schon jeden Abend ein Update erstellen. Die Handelsregeln sollten die gleichen sein. Nur Aufwärtstrends in Einzelaktien sollten umgesetzt werden.

Man ist aber immer noch entschleunigt und man muss die Börse immer noch nicht in Echtzeit verfolgen. Hier gibt es auch kostenfreie Chartangebote zum Backtesten und für die Signalgenerierung.

Wer es dann wirklich nicht lassen kann und in „Echtzeit“ daddeln möchte, sollte sich auf der 4-Stunden Ebene tummeln. Hier muss man dann mit kostenpflichtiger Kursversorgung arbeiten.

Es sollte möglich sein, die Kerzen/Balken selber zu definieren. Dann wäre meine Empfehlung folgende: 9-13 Uhr; 13-17 Uhr; 17-21 Uhr … die letzte Stunde des Vortages und die erste Stunde eines neuen Handelstages würde ich als eine Kerze zusammenfassen.

Ein profitables Handelsmodell benötigt ihr dann immer noch, aber Trends sind hier auch schon sehr stabil und gut umzusetzen.

Wichtig ist aber grundsätzlich: Nie gegen den Trend zu handeln.

Verluste machen wir alle, das wird man nie vermeiden können. Aber das meiste Geld wird mit dem Versuch versenkt, das Hoch oder Tief zu erwischen.

Gewinne werden im Erfolgsfall viel zu schnell realisiert, während man Verluste gnadenlos aussitzt. Genau davon leben CFD-Anbieter.

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Euren Börsengeschäften.

Herzlich Grüße

Roman Kurevic

 

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