Optionsjournal: Neuer Wochenausblick – Kommt jetzt die Höhenangst?

Willkommen zum neuen Marktüberblick aus Sicht des Optionsjournals. Heute ziehe ich einmal den Nasdaq-Index für eine tiefere Analyse heran. Weiterhin gibt es eine Übersicht der laufenden Trades aus unserem Signaldienst. Natürlich besprechen wir auch wieder neue Ideen für Basiswerte, die in der kommenden Woche unsere Aufmerksamkeit verdienen.

Marktverläufe der vergangenen Woche

Der Hang Seng Index (HSI) dreht wieder nach unten

Für den HSI wähle ich diesmal die Darstellung im Wochenchart. Mit dem 20er gleitenden Durchschnitt als Indikator bildet sich für mich ein eher bärisches Gesamtbild heraus. Der GD 20 ist fallend, die aus der Corona-Thematik entstandene Abwärtsbewegung wird aktuell in Form einer Korrektur abgearbeitet.

Die vergangene Woche hat eine starke bärische Kerze generiert. Ebenso signalisiert auch die Vorwoche durch den langen Docht deutlich Schwäche. Die runde Marke von 26000 Punkten konnte nicht gehalten werden.

Relativ zum Tief aus Anfang 2016 befindet sich das Gesamtbild in der Korrektur des Aufwärtstrends. Der GD 20 kann hier als Unterstützung wirken und auch bei freundlicher Entwicklung wieder nach oben drehen. Schlusskurse unter dem gleitenden Durchschnitt begünstigen jedoch eine weitere Abwärtsbewegung.

Bild des Hang Seng Index im Wochenchart auf Tradingview
Der Hang Seng Index im Wochenchart auf Tradingview

Keine Impulse im S&P 500

Die laufende Seitwärtsphase im S&P 500 hat in der letzten Woche keine eindeutigen Signale gezeigt. Bei 3250 Punkten formiert sich ein leichter Widerstand. Die Unterstützung bei 3000 Punkten ist weiterhin intakt. Der gleitende Durchschnitt auf 21 Tage steigt an und stützt die darüber laufenden Kurse zusätzlich. Weiterhin bleibt für mich alles oberhalb der 3000 im grünen Bereich.

Darstellung des Tageschart für den S&P 500 auf tradingview.com
Tageschart für den S&P 500 auf tradingview.com

Die Volatilität sinkt weiter

Im Vergleich mit den letzten Wochen ist die Volatilität auch wieder einige Punkte gesunken. Am Ende der Vorwoche stand der VIX Index bei 27,29 Punkten. Am Freitag ist der Markt bei 25,68 aus dem Handel gegangen.

Aktuelle Terminstrukturkurve der VIX Futures auf vixcentral.com
Terminstrukturkurve der VIX Futures auf vixcentral.com

Ein intensiver Rückblick auf den NASDAQ

Aktuell mehren sich in den Medien wieder die Stimmen über eine Blasenbildung an den Märkten. An dieser Stelle bemühe ich mich um eine nüchterne Betrachtung der Situation. Ein Vergleich mit ähnlichen Situationen aus der Vergangenheit kann die aktuelle Lage eventuell relativieren.

Der NASDAQ sticht mit seiner Folge von Allzeithochs aktuell aus dem Vergleich der Indizes hervor. Die Kurse von beispielsweise DAX, S&P 500 und Dow Jones haben das letzte Allzeithoch noch nicht wieder erreichen können. Nun könnte man auf Nachzügler-Verhalten hoffen. Dem Russell 2000 wird als Nebenwerte-Index jedoch eher ein dem Markt voraus laufendes Verhalten unterstellt.

Historie im Monatschart

Den Chart habe ich auf Monatsbasis so skaliert, dass das größte als Blase bekannte Ereignis der jüngeren Vergangenheit mit enthalten ist. Der Dotcom-Crash bildet den Start unserer Reise. Der Run auf Internet-Aktien zum Ende der 90er Jahre hat den Kursverlauf eine exponentielle Kurve andeuten lassen. Dem Hoch bei 4816 Punkten folgte eine Landung knapp unter der 800-Punkte Marke.

Chart des NASDAQ 100 in Monatskerzen auf Tradingview.com
Chart des NASDAQ 100 in Monatskerzen – Quelle: Tradingview

Ist der Zusammenbruch der Internetblase schon vergessen?

In den Jahren danach hat keine andere Krise derart massive Kursverluste erzeugt. Es muss berücksichtigt werden, dass das schreckliche Ereignis vom 11. September 2001 in der gesamten Abwärtsdynamik enthalten ist. Vom Oktober 2002 an ging es dann wieder aufwärts.

Die letzte Finanzkrise

Um die Blase aus Immobilienkrediten in den USA dreht sich dann die nächste Korrektur. Aus der Praxis, diese Kredite in immer größeren Paketen weiterzuverkaufen, ergab sich seinerzeit ein globales Problem. Irgendwann waren immer weniger Menschen in der Lage, ihre Kredite zu bedienen. Gleichzeitig stiegen die Preise der Immobilien nicht mehr weiter. Dadurch konnten auch keine neuen Kredite auf die vermeintlich immer wertvollere Immobilie abgeschlossen werden.

Vom Hoch bei knapp 2240 Punkten ist der NASDAQ auf ein Tief bei etwa 1120 gefallen. Im Vergleich zum Dotcom Crash eher überschaubar. Jedoch hat die daraus resultierende Pleite der Traditionsbank Lehman eine gewisse Ernüchterung in die Finanzwelt gebracht. Der Mythos „too big to fail“ war damit gebrochen. Ebenso die Hoffnung, dass solche Fehler immer durch stattliche Unterstützung abgefedert werden.

Auf zu neuen Hochs

Das Hoch der Dotcom-Euphorie wurde erst 16 Jahre später wieder angelaufen. Im Januar 2017 dann mit einer entsprechenden Kerze nachhaltig gebrochen. Im Monatschart könnte sich mit dem steigenden GD 20 ein seit Herbst 2010 andauernder Bullenmarkt betrachten lassen.

Der in den Medien als China-Crash bezeichnete Einbruch der Kurse aus dem Herbst 2015 geht in der Gesamtbetrachtung eher als Seitwärtsphase unter. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Winkel des GD 20 danach deutlich steiler verläuft.

Ein Ausblick auf die mögliche Entwicklung

Aktuell scheinen die Kurse, ähnlich wie zum Jahr 2000, eine exponentiell ansteigende Kurve zu bilden. Die Fallhöhe zum 20er gleitenden Durschnitt liegt bei fast 3000 Punkten. Ähnlich wie nach dem China-Crash 2015 hat sich der Winkel des Kursanstiegs noch einmal steiler gestellt.

Aus meinen eigenen Beobachtungen heraus ergibt sich folgendes Bild:

  • Ein großer Abstand zum GD 20 hat in der Vergangenheit zu einem Rückgang geführt
  • Der aktuelle Abstand beträgt derzeit fast 3000 Punkte
  • Im Monatschart sehe ich einen intakten Bullenmarkt
  • Die Kurse können noch weiter steigen, ich kenne keine Methode, verlässlich ein Ende zu definieren

Die Abstände zum 20er GD im Verhältnis

Im Wochenchart habe ich die Werte der Hochs vor den angesprochenen Crashphasen ermittelt. Dazu die Werte des GD 20 der entsprechenden Woche ins Verhältnis gesetzt. Auffällig ist, dass selbst in der aktuellen Situation der Faktor aus Kurs zum GD 20 noch nicht an den Extremwert der Internetblase heranreicht. Die Werte aus dem Monatschart zeigen das noch deutlicher, da ein gleitender Durchschnitt auf diesen Zeitraum merklich hinterher läuft.

Vergleich der Faktoren aus Kurs und GD 20 vor den jeweiligen Crashphasen.

Chancen und Risiken

Frei nach dem Motto „Handeln, was man sieht“ ergeben sich in jeder Marktphase Chancen. Aktuell bin ich vorsichtiger als in Phasen, wo der Kurs nahe am 20er GD verläuft. Im Portfolio halte ich auch Strategien, die im Falle eines Crashs Verluste kompensieren können. Das wichtigste ist eine dem Depot angepasste Positionsgröße.

Die von mir gehandelten Strategien sind im Risiko begrenzt. Inklusive der Hedges würde mein Depot 0,5 % verlieren, sollten die Märkte am Montag bei Null eröffnen. Meiner persönlichen Risikoneigung entsprechend will ich ruhig schlafen, wenn ich einmal mehrere Tage nicht auf das Depot zugreifen kann.

Positionen aus dem Signaldienst im Wochenverlauf

So unspektakulär wie beim S&P sind auch die offenen Positionen im Optionsjournal gelaufen. Als Stillhalter profitieren wir, wenn die Kurse moderat laufen. Zum Ausklang der Handelsaktivitäten am Freitag standen die Optionsstrategien innerhalb der Aktionsmarken. Ein täglicher Blick in das Depot reicht aus, um die jeweilige Entwicklung zu prüfen.

Optionsstrategie in RNG RingCentral zum Wochenschluss - GuV Software von Optionsuniversum
Optionsstrategie in RNG RingCentral zum Wochenschluss – GuV Software von Optionsuniversum

Momentaufnahme des Optionstrades in BeyondMeat BYND - Quelle: GuV Profil von Optionsuniversum
Momentaufnahme des Optionstrades in BeyondMeat BYND – Quelle: GuV Profil von Optionsuniversum

Neue Handelsideen

Der Chart von DocuSign, Inc. DOCU lockt aktuell mit einem ausgearbeiteten Trendmuster. Earnings stehen vermutlich Anfang September an. Die IVR liegt bei 39% (CapTrader) bzw. 40% (Tastyworks). Neue Trades und Limits erscheinen dann auf dem Telegram-Kanal.

Chart von DOCU auf finviz.com

Servicebereich

Auch in der neuen Woche können einige Termine starken Einfluss auf die Kursentwicklung haben. Die US-Börsentermine (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) mit relativ hoher Relevanz für die kommende Woche:

Mittwoch, 22. Juli

  • Immobiliendaten – Preisindex und Verkäufe bestehender Häuser

Donnerstag, 23. Juli

  • Statistiken zur Arbeitslosenunterstützung

Freitag, 24. Juli

  • Immobiliendaten – Verkäufe neuer Häuser

Beachten Sie bitte auch die Risikohinweise und den Haftungsausschluss gemäß § 13 der AGB unter diesem Link

Vielen Dank für Ihr Interesse und einen erfolgreichen Start in die Woche.

Herzlichst, Ihr
Christian Möhrer

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