9 Lektionen zur technischen Analyse, die Sie von Wissenschaftlern lernen können und die statistisch belegt sind

Wissenschaftler reden nicht viel über die technische Analyse. Sie schweigen entweder zu diesem Thema, oder sie behaupten hauptsächlich, dass es sich dabei um Hokuspokus handelt.

Ein Hochschulstudent wird die Grundlagen der Fundamentalanalyse lernen. Die technische Analyse wird jedoch lediglich in Fußnoten erwähnt. Trotzdem wissen alle Trader, die in den Märkten tätig sind, was technische Analyse bedeutet, und zwar unabhängig davon, ob sie diese verwenden oder nicht.

Eine Minderheit unter den Wissenschaftlern hat dieses Thema jedoch so fasziniert, dass sie statistische Forschung über technisches Trading anstellten. In diesem Artikel beschäftigen wir uns damit, um heraus zu finden, was wir damit anfangen können.

In diesen neun Lektionen werden deren Schlussfolgerungen über die technische Analyse zusammengefasst. Damit können Sie auf direktem Weg zur Erkenntnis gelangen, was in der technischen Analyse funktioniert.

Allerdings gibt es den Vorbehalt, dass die von den Akademikern verwendeten statistischen Methoden unser Fassungsvermögen zumeist übersteigen. Wenn Sie nicht mit statistischem Arbeiten vertraut sind, bedarf es eines Vertrauensvorschusses Ihrerseits.

Sie sollten wissen, dass ich die Statistiken, die in den folgenden Arbeiten verwendet werden, nicht vollständig verstanden habe. Mir geht es hierbei darum, die wichtigsten Schlussfolgerungen aufzugreifen und sie auf das praktische Trading anzuwenden.

Lektion 1: Volumen ist wichtig

In „Statistiken des Marktes und technische Analyse: Die Rolle des Volumens“ (Market Statistics and Technical Analysis: The Role of Volume) zeigten die Autoren:

…wie Volumen, Informationsgenauigkeit und Kurs-/Preisbewegungen im Zusammenhang stehen und wie Abfolgen von Volumen und Kursen aufschlussreich sein können. Wir zeigen auch, dass Trader, die Informationen nutzen, die in den Marktstatistiken enthalten sind, besser abschneiden als Trader, die das unterlassen.

Das bedeutet, dass das Volumen wichtig für Trader ist. (Dr. Brett Steenbarger stimmt damit überein.)

Aber was hier hervorgehoben wird ist, dass „Abfolgen von Volumen und Kursen aussagekräftig sein können“. Genau darum geht es bei der Volumen-Spread-Analyse.

Wenn Sie bisher nicht auf das Volumen geachtet haben, ist es an der Zeit, nun damit zu beginnen.

Lektion 2: Wie Fachleute die technische Analyse verwenden

In „Der Gebrauch der technischen Analyse im Devisenmarkt“ (The use of technical analysis in the foreign exchange market) überprüften die Autoren die wichtigsten Devisenhändler Londons.

Währungen

Es gibt drei wichtige Kernpunkte:

  1. Die meisten professionellen Händler betrachten die technische Analyse als Mittel der Markteinschätzung.
  2. Sie widmen der technischen Analyse in kürzeren Zeitrahmen größere Aufmerksamkeit.
  3. Sie betrachten die Fundamentalanalyse und die technische Analyse als Ergänzungen.

Aufgrund ihrer Erkenntnisse ist es sinnvoll, die technische und die fundamentale Analyse miteinander zu verbinden.

Sie sollten diese jedoch entsprechend Ihres Trading-Zeitrahmens gewichten. Bei kurzen Intraday-Zeitrahmen sollte die technische Analyse im Vordergrund stehen. Bei langfristigem Investieren ist die Fundamentalanalyse vorrangig. Und es gibt eine große Bandbreite dazwischen, was die Synergiepotentiale anbelangt.

Dieses Dokument „Effects of time horizon and asset condition on the profitability of technical trading rules“ spricht für die technische Analyse innerhalb kurzfristiger Zeitrahmen:

Verschiedene Strategien hatten ein konstant besseres Chance-Risiko-Verhältnis in bestimmten Anlageklassen und kurzfristigen Zeitrahmen nachgewiesen.

Lektion 3: Kombination verschiedener Indikatoren für einen tragfähigen Ansatz

In „The CRISMA trading system: Who says technical analysis can`t beat the market?“ (und aufgrund einer Nachuntersuchung) stellten die Autoren fest, dass das CRISMA-System den Markt schlagen konnte.

Das CRISMA-System weist drei Bestandteile auf:

  1. Kumuliertes Volumen
  2. Relative Stärke (Relative Strength) gegenüber dem S&P 500
  3. Gleitende Durchschnitte von 50-Tagen und 200-Tagen

Der Grundgedanke beim CRISMA-System besteht darin, diese drei Indikatorarten zur Bestätigung der Aufwärtsbewegung einer Aktie einzusetzen.

Sobald ein mechanisches Tradingkonzept veröffentlicht wurde, wird es höchstwahrscheinlich nicht mehr funktionieren. Allerdings können wir dennoch aus diesem System lernen.

Die drei Bestandteile besitzen jeweils einen Aussagewert unterschiedlicher Art. Der gleitende Durchschnitt ist von der Price Action abhängig. Die relative Stärke (relative Strength) berücksichtigt den gesamten Markt. Und es gibt das Volumen.

Drei Indikatoren, die sich voneinander unterscheiden. Die wichtigste Lehre, die dabei hervorgehoben wird, ist: Kombinieren Sie verschiedene Indikatoren miteinander, um ein robustes System zu erhalten.

Mit einem Dokument wie diesem ist es kaum möglich, keine Kritiker auf den Plan zu rufen. Wenn Sie das CRISMA-System als Rahmenvorlage zum Trading verwenden, dürfte dies zu einer ausgewogenen Sichtweise führen.

Es folgen einige weitere CRISMA-Dokumente als Hilfe für Sie:

Lektion 4: Verwenden Sie die Intermarket-Analyse zur Prognose

In einem Dokument von 1995 „The profitability of technical trading rules in the Asian stock markets“ fanden die Autoren heraus, dass:

technische Signale, die von den US-Märkten emittiert wurden, eine erhebliche Vorhersagekraft für die asiatischen Renditen am Aktienmarkt besitzen und zwar über die Signale der eigenen Märkte hinaus.

Dieses Dokument ist vor zwanzig Jahren veröffentlicht worden. Deshalb ist der Vorbehalt natürlich der, dass sich die globalen Märkte verändert haben könnten.

Trotzdem geht es hier im wesentlichen darum, Tradingideen aus der Intermarket-Analyse zu beziehen. Beobachten Sie die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Märkten und nutzen Sie diese, um davon zu profitieren.

Cover des Buches Trading Intermarket Analysis

Um noch mehr über die Intermarket-Analyse zu erfahren, können Sie sich die folgenden Bücher vornehmen:

Lektion 5: Studieren Sie Candlestick-Formationen, die drei Tage umfassen

Diese neuere Veröffentlichung: „Can Anomalies Be Explained By Technical Analysis? Evidence From Candlestick Patterns“ weist darauf hin, dass Candlestick-Formationen selbst nach Abzug der Transaktionskosten gute Ergebnisse zeigen.

Insbesondere haben die Autoren die drei Tage umfassenden Candlestick-Formationen in den Taiwanesischen Aktienmärkten untersucht.

In diesem Artikel können Sie noch mehr über Candlestick-Formationen erfahren.

Nehmen Sie den Hinweis vieler Studien zur Kenntnis, dass in asiatischen Märkten die technische Analyse besser funktioniert. Daher sollten Sie vorsichtig sein, wenn Sie die gleichen Techniken in den entwickelteren Märkten anwenden.

Lektion 6: Technische Analyse in FX-Märkten

In Technical trading: Is it still beating the foreign exchange market? (Technisches Trading: Schlägt es auch die Devisenmärkte?) haben die Autoren eine umfassende Untersuchung der Regeln des technischen Trading im FX-Markt durchgeführt.

Sie untersuchten die Tagesdaten über 45 Jahre von 20 Währungen mit über 21.000 Tradingregeln.

In einigen Zeiträumen gibt es ausreichende Belege dafür, dass die technische Analyse funktioniert. Dies stimmt mit der „Anpassungsfähigen Markthypothese“ („Adaptive Market Hypothesis“) überein, die von Dr. Andrew Wen-Chuan. Lo entwickelt wurde.

Dies ist eine weitere Veröffentlichung mit ähnlichen Schlussfolgerungen.

Für Forex-Trader, die gerne wissen wollen, ob die technische Analyse brauchbar ist, bieten diese Studien optimistische Perspektiven.

Lektion 7: Chartmuster sind nützlich

In Stock market trading rule based on pattern recognition and technical analysis: Forecasting the DJIA Index with intraday data (Tradingregeln für den Aktienmarkt, die sich auf die Bestätigung von Chartmustern und die technische Analyse stützen: Vorhersage des DJIA-Index mit Intraday-Daten) haben die Autoren eine neue Definition der Trendfolgeformation Flagge auf der Basis von Intraday-Daten verwendet.

Sie fanden heraus, dass die Tradingregel den Markt outperformte.

In Foundation of Technical Analysis: Computational Algorithms, Statistical Inference, and Empirical Implementation (Grundlage der technischen Analyse: Computer-Algorithmen, statistische Schlussfolgerung und empirische Umsetzung) fanden die Autoren auch heraus, dass Chartmuster wie Kopf- und Schulter- und Double-Bottoms von praktischem Wert für Trader sind.

Erfahren Sie hier mehr über Chartmuster.

Bullische Kopf-Schulter-Chartformation

Lektion 8: Volatilität ist hilfreich beim Trading von Chartmustern

In Trend Definition or Holding Strategy: What Determines the Profitability of Candlestick Technical Trading Strategies? äußerten sich die Autoren folgendermaßen:

In Anbetracht volatiler Märkte überwiegen die Beweise zugunsten von Candlestick- Tradingstrategien deutlich.

Aus diesem Grund ist die Volatilität für aktive technische Trader ausschlaggebend. Berücksichtigen Sie die Volatilität bei der Auswahl eines Marktes zum Traden.

Lektion 9: Die technische Analyse funktioniert nicht

Bei meinem Trading verwende ich die technische Analyse. Es versteht sich also von selbst, dass ich bezüglich der Auswahl der obigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen durchaus voreingenommen bin.

Um Ihnen eine ausgewogene Sichtweise zu vermitteln folgen nun drei Veröffentlichungen, die nicht für die technische Analyse sprechen.

Time to Fulfilment of Stock Recommendations Based on Technical Analysis: A Survival Analysis Approach“ (Zeit zur Erfüllung von Aktienempfehlungen, die sich auf die technische Analyse stützen: Ein Analyseansatz zum Überleben)

Übereinstimmend mit anderen Studien haben wir herausgefunden, dass Analysten, die die technische Analyse verwenden, nicht in der Lage waren, Empfehlungen abzugeben, die innerhalb kurzer Zeit beständig hohe Erträge erzielen.

Sind Chartanalysten Künstler? Die bestimmenden Faktoren und die Rentabilität der Empfehlungen gründeten auf der technischen Analyse

In Anbetracht dessen, dass sich die technischen Empfehlungen an die bestens bekannten Tradingregeln halten und dass diese Empfehlungen nicht mit künftigen ungewöhnlichen Erträgen einhergehen, gelangen wir zur Schlussfolgerung, dass technische Analysten keine „künstlerischen“ Qualitäten aufweisen.

Trading, das sich auf die Anwendung der technischen Analyse stützt:

In Bezug auf die passive Kaufstrategie übertrifft nur der kleinste Teil der erzielten Erträge die Ergebnisse der Buy-and-Hold-Strategie.

Schlussbemerkung

In diesem Artikel habe ich neun Lektionen über die technische Analyse präsentiert.

Aber gehen Sie sorgfältig damit um, wenn Sie diese Lektionen anwenden. Statistisch ausgebildete Fachleute vertreten diesbezüglich unterschiedliche Meinungen, wie es auch unter Tradern in den Online-Diskussionen der Fall ist.

Niemand kann Ihnen sagen, wem Sie letztlich vertrauen sollen. Bei Ihrem Trading müssen Sie selbst entscheiden und sich dann an das halten, was Ihnen sinnvoll erscheint.

Wenn Sie noch mehr qualifizierte Beiträge zur technischen Analyse lesen wollen, empfehle ich Ihnen die Arbeiten von Dr. Andrew W. Lo.

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: 9 Technical Analysis Lessons You Can Learn From Academics Backed By Statistics

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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