Ist Fibonacci ein nützliches Tool im Trading?

Ich möchte in diesem Artikel darüber schreiben, ob Fibonacci-Zahlen (Fibs) im Trading einen Vorteil bringen oder eigentlich nutzlos sind. Ich werde nicht erklären, was die Fibonacci-Folge ist, und ich werde auch nichts über ihre Geschichte schreiben. Darüber gibt es ausreichend Literatur im Internet. Für alle diejenigen, die davon noch nichts gehört haben, bitte einfach kurz googeln.

Immer wieder stößt man in der Trading Literatur auf die Fibonacci Zahlen und deren Anwendung in den Märkten. Fast alle Charting-Programme haben Fib-Tools integriert. Und jeder der sich mit den Märkten schon länger beschäftigt, hat sich damit wahrscheinlich auch schon auseinander gesetzt.

Aber sind die Fibs wirklich ein Tool, welches einem einen Vorteil bringt? Um die Antwort kurz zu machen, ich glaube nicht.

Wie werden die Fibonacci-Verhältnisse im Trading verwendet?

Zunächst einmal, wie werden die Fibs (Fibonacci-Verhältnisse) beim Trading meistens verwendet? Viele Trader verwenden die Fibs, um Korrekturen im Trend zu messen. Es gibt noch einige andere Anwendungen der Fibs im Trading, aber ich glaube, dass ist die häufigste. Es geht also darum, wie weit der Markt korrigiert, in Prozent gemessen, und ob er dann den Trend wieder fortsetzt.

Die Fib-Relationen sind 23,6%, 38,2%, 50% (ist eigentlich keine Fib-Zahl, wird aber trotzdem verwendet), 61,8% und 78,6%. Die Korrektur muss meistens auch nicht genau getroffen werden, sondern in der Nähe reicht oft.

Ja, irgendwo dort, in der Nähe oder bei einem dieser Fibonacci-Verhältnisse wird der Markt drehen, das ist klar. Aber ist das wirklich eine sinnvolle Information, die mir einen Vorteil im Trading bringt?

Wenn man jetzt noch die Anzahl der verschiedenen Charts nimmt, die zum Traden verwendet werden (Tickchart, Zeitchart, Volumenchart, Rangechart, Renkochart usw. ) und deren unzählige Anzahl von Größen, und dann auch noch in Betracht zieht, wie viele Möglichkeiten es gibt zu definieren, ab wann eine Korrektur eine Korrektur ist, kann es meiner Meinung nach sehr verwirrend werden. Man wird wahrscheinlich immer einen Chart finden, wo der Markt an einem oder in der Nähe eines Fib-Punktes korrigiert.

Ein mathematischer Beweis für die Nützlichkeit der Fibs liegt nicht vor

Aber ist das wirklich ein Beweis für die Nützlichkeit von Fibonacci im Trading? Es hat auch noch niemanden gegeben, der einen Vorteil der Fibs im Trading mathematisch beweisen konnte. Es gibt dazu unzählige Studien im Internet, die aufzeigen, dass die Fib-Relationen keine höhere Signifikanz aufweisen als zufällige Zahlen. Was sie aber meiner Meinung nach sollten, wenn sie eine Relevanz in den Märkten hätten. Ich verweise darauf auf sehr gute Artikel von einem bekannten amerikanischen Trader und Autor, Adam Grimes:

http://adamhgrimes.com/blog/fibonacci-fibs/

Es gibt natürlich auch noch die Argumente, dass Fibonacci Trading keine Wissenschaft sei, und nur subjektiv angewendet werden kann. Allerdings glaube ich, dass all diejenigen, die mit Fibonacci erfolgreich handeln, ihren Erfolg nicht den Fibs verdanken, sondern wahrscheinlich eher anderen Trading Fähigkeiten. Es gibt wahrscheinlich auch Trader, die nach Mondzyklen erfolgreich handeln.

Ich möchte mit diesem Artikel auch niemanden davon abbringen, Fibs zu verwenden, wenn er dies erfolgreich tut, sondern eher dazu anregen, die Tools, die man beim Trading verwendet, genauer zu hinterfragen, ob sie auch wirklich eine Hilfe sind.

Ich selbst hatte sogar einige Zeit erfolgreich eine Strategie mit Fibonacci gehandelt. Ich hatte meinen Chart voll gepflastert mit Fibs und nach sogenannten Fib Clustern gesucht. Meine Setups waren Chartmuster aus der Elliott-Wellen-Theorie. Und die Fibs sollten als Bestätigung für meinen Einstieg dienen.

Das ganze hatte eigenlich ganz gut geklappt. Bis ich dann merkte, dass ich eigentlich für jeden Einstieg immer eine Fib Bestätigung fand. Egal wo der Einstieg war, ich fand immer irgendein Retracement oder eine Extension an eines der Fib Relationen.

Ab da begann ich dann das ganze kritisch zu hinterfragen, und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Fibs keinen Mehrwert im Trading für mich bringen.

Thomas Thurzo, Trader

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André Gitschenko - 10/02/2015

Mit Fibs ist es sicherlich wie mit allen anderen Indikatoren der technischen Analyse. Wenn es zum Beispiel in der Nähe einer Korrektur von 23,6% genügend Kaufwillige gibt, wird es funktionieren. Gibt es aber erst bei 38,2% genügend Kaufwillige dann halt erst an dieser Stelle. Ob die, die jetzt kaufen, sich an den Fibs-Werten orientieren oder aus anderen Gründen kaufen wollen, werden wie eh nie erfahren. Ich glaube fest, dass alle Indikatoren der technischen Analyse immer nur dann funktionieren, wenn sich die Masse daran hält. Tut die Masse das nicht, gibt es Fehlsignale. Dann hat sich bestimmt der Indikator geirrt – oder ;-) ?
Stellt sich also die Frage, welcher Indikator ist gerade in Mode und wird von der Masse verwendet? Wer das weiß, kann in die Zukunft schauen!

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Torsten - 10/02/2015

Ich denke wie folgt: Fibs funktionieren nicht, weil es diese Zahlen gibt, sondern sie funktionieren (manchmal), weil viele Trader sie kennen und verwenden.

Meiner Meinung nach reicht das bloße Heranreichen an eine Linie nicht aus. Wenn aber beispielsweise eine Linie doppelt bestätigt wird, dann verleiht dies der Linie schon eine gewisse Signifikanz.

Ich beispielsweise schaue mir Charts ausschließlich im Monatschart an (Einstellung: Monatschart, gesamte Historie). Dann erkennt man „ganz wunderbar“ Abwärts-, Aufwärts- und Seitwärtsbewegungen. Und aufgrund der hohen Zeiteinheit haben diese Bewegungen eine hohe Aussagekraft.

Ganz besonders gut erkennt man deutliche Bodenbildungen, bevor ein neuer langfristiger Aufwärtstrend startet. Beispiele: Deutsche Post, Yahoo, Dialog Semiconductor. Wer sich hier die Monatscharts anschaut, der erkennt sehr gut die Böden und die Aufwärtstrends, die nach dem Boden folgten.

Da könnte mir nun eine ganze Masse von Tradern widersprechen und behaupten, dass mein Trading-Setup nicht funktioniert. Ich habe damit (in Verbindung mit der Markttechnik) Erfolg und finanziellen Gewinn.

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Torsten - 10/02/2015

Nachtrag: Und hier schließt sich nun der Kreis. Wer sagt denn, dass es keine erfolgreichen Trader gibt, die ausschließlich auf Fibs Wert legen? Nur weil wir Fibs vernachlässigen oder verneinen, können andere Trader sehr wohl mit diesem Instrument Gewinne einfahren.

Es gibt nicht eine einzige Tradingidee, die ausschließlich Gewinne generiert (oder ich durfte sie bis heute nicht kennenlernen). Michael Voigt beispielsweise steht dem ständigen Wechsel einer Tradingidee kritisch gegenüber. Jedes Trading Setup verursacht kleine und große Gewinne und kleine Verluste (groß müssen sie i.d.R. nicht ausfallen, denn den Drawdown hat der Trader (meistens) selbst in der Hand). Meistens deshalb, weil es z.B. beim Aktienhandel manchmal Gaps gibt. Aber selbst dieses Risiko kann man berücksichtigen, indem man eine geringere Anzahl an Aktien kauft. Und beim CFD-Handel gibt es (zumindest bei meinem Anbieter) einen sog. „garantierten Stopp“ (also eine Art „Versicherung“).

Es gibt nicht nur ein Universum an handelbaren Produkten, sondern anscheinend auch ein Universum an Tradingideen. Viele sind weder besser noch schlechter. Ob letzten Endes ein dauerhafter Gewinn aus dem Handel resultiert, liegt neben dem Trading-Setup an einem vernünftigen Risk- und Moneymanagement.

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André Gitschenko - 11/02/2015

Markttechnik ist ein tolles Wort. Doch was ist eigentlich Markttechnik? Hinterfragt man diesen und andere tolle Begriffe einmal neutral und ohne Vorurteile, sieht es doch nur nach „Hokuspokus“ (Übertreibung macht anschaulich) aus.

Warum werden denn Unterstützungen zu Unterstützungen? Weil viele Trader glauben, dass es eine Unterstützung ist oder sein könnte und auf diesem Preisniveau kaufen. Das gleiche gilt für Widerstände und Trends und auch für Fibs.

Ein Trend hält nur solange an, wie es immer noch Trader gibt, die glauben, der Trend geht weiter und sie in dem Markt einsteigen (Long-Trend) oder aussteigen bzw. shorten (Short-Trend). Im Prinzip könnte man auch eine Münze werfen und den Rest übers Management steuern.

Besser ist es aber, sich dem Langfristchart anzuschauen und dann einfach an die Grundregeln der Börse halten. Billig kaufen – teuer verkaufen.
Anstatt sich aber mehr ums Management zu kümmern, suchen die meisten Amateur-Trader nach Wunderindikatoren und geheimen Handelssystem. Glauben an Markttechnik und Gurus. Auf dieser Suche verlieren sie ihr Geld! Aber die Gewinne der Gewinner muss ja jemand bezahlen. Also braucht es Verlierer. Börse ist ein Null-Summen-Spiel!!!

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Walter Vogel - 12/02/2015

Hallo,

den Vorrednern kann man zustimmen. Es ist wie mit Elliott-Wellen, hinterher sieht man, dass einige Relationen gepasst haben, andere nicht. Obwohl Fibo-Levels oft gestimmt haben, sind sie nicht zuverlässig. Das können sie auch nicht sein. Wenn jemand ein zuverlässiges System hätte, wäre das das leicht erklärbare Ende des Börsenhandels, wie wir ihn heute kennen.

Es stimmt schon, Kurse, Trends werden von den großen Jungs gemacht. Die müssen große Lots unterbringen oder rausnehmen. Das geht nur in Intervallen. Wäre interessant zu wissen, ob die sich Indikatoren, Fibos, Wellenzählungen in Tagescharts anschauen. Vielleicht in größeren Zeiteinheiten?

Freundliche Grüße
W. Vogel

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