Drei Hindernisse beim Trading und wie man sie überwindet

Wir haben alle schon enttäuschende Tradingergebnisse erfahren. Wenn Sie bereits seit einiger Zeit traden, sind Sie bestimmt Hindernissen begegnet.

Allmählich fangen Sie an zu erkennen, dass Sie immer mit den gleichen Problemen konfrontiert werden und die gleichen Fehler wiederholen.

Schließlich stellt sich heraus, dass es beim Trading um die Überwindung von Hindernissen geht.

Es sind drei Hindernisse, denen die meisten Trader begegnen. Wenn Sie diese nicht aus dem Weg schaffen, ist Ihnen der Zugang zum Tradingerfolg versperrt.

Nutzen Sie die folgenden Hinweise, um jedes Hindernis zu überwinden und Ihrem Tradingziel näherzukommen.

1. Tradinghindernis: Unzureichendes Finanzkapital

Zunächst müssen wir klären, was mit Kapital gemeint ist. Kapital bezieht sich hier auf Ihr Finanzkapital und nicht nur auf das, was sich auf Ihrem Tradingkonto befindet. Es ist Ihr gesamter Vermögenswert.

Denken Sie an erfolgreiche Trader, die Sie kennen. Wie viele von ihnen begannen ohne Ersparnisse und mit nur 500 Dollar in Ihrem Tradingkonto?

Wahrscheinlich niemand.

Alle erfolgreichen Trader, die ich kenne, fingen mit einem größeren Tradingkonto an. Noch dazu verfügen sie über einen stattlichen Betrag an Sparguthaben, um ihre täglichen Kosten zu finanzieren.

Gut kapitalisiert zu sein, ist mehr als nur ein Vorteil für denjenigen, der Trading als Beruf betreiben möchte. Das ist eine Grundvoraussetzung. Sie müssen ausreichend kapitalisiert zu sein, um hauptberuflich zu traden.

Ausreichend Tradingkapital ist notwendig

Ein unterkapitalisierter Trader ist massiv benachteiligt.

Mit weniger Kapital ist es unwahrscheinlicher, die Minusphasen Ihrer Tradingstrategie zu durchzustehen.

Alle Strategien haben Minusphasen (Drawdowns). Aufeinanderfolgende Verluste sind unvermeidbar. Um erfolgreich zu traden, brauchen Sie genügend Kapital, um Minusphasen zu überstehen. Wenn nicht, ist es wahrscheinlicher, dass Sie Schiffbruch  erleiden werden.

Mit unzureichendem Kapital werden Sie höchstwahrscheinlich durch Ihre Gewinne und Verluste emotional beeinflusst.

Ihre Emotionen sind an jede kleine Marktbewegung gebunden. Sie werden ängstlich und schnell gierig. Es wird wahrscheinlicher, dass Sie versagen werden.

Mit unzureichendem Kapital werden Sie sich höchstwahrscheinlich über Risiko und Overtrading hinwegsetzen.

Wenn Sie Ihre Trading-Gewinne benötigen, um Ihre Miete zu bezahlen, werden Sie höchstwahrscheinlich ein übermäßiges Risiko eingehen. Sie werden dann auch viel eher Ihre Regeln zum Risiko-Management vernachlässigen und es höchstwahrscheinlich nicht schaffen. So ist Ihre Erfolglosigkeit vorprogrammiert.

Angenommen Ihre einzige Einkommensquelle ist der Markt, und Sie haben kaum Ersparnisse. Sie werden dann sicher unter Druck geraten, jeden Monat mit dem Trading Geld zu verdienen. Sie werden dauernd spüren, dass Sie traden müssen. Infolgedessen werden Sie Overtrading betreiben.

Jeder redet über die Wichtigkeit der Tradingpsychologie. Jeder Trader stimmt damit überein, dass Disziplin und emotionale Kontrolle erforderlich sind. Der Zusammenhang zwischen Tradingpsychologie und Finanzkapital wird jedoch vernachlässigt bzw. kaum beachtet.

Wenn folgendes auf Sie zutrifft:

  • Ängstlichkeit
  • Übertrading
  • Tradingregeln und Regeln zum Risiko-Management nicht beachten

Denken Sie über die eigentliche Ursache dessen nach.

Liegt es daran, dass Sie nicht genügend Kapital haben? Streben Sie eine unerreichbare Kapitalrendite (ROI = Return on Investment) unter belastenden Bedingungen an?

Wie man den Mangel an Finanzkapital meistert

Ausreichend Tradingkapital ansparen

Riskieren Sie nicht unnötigerweise Ihr Tradingkapital. Lernen Sie, indem Sie simuliertes Trading machen oder mit einer minimalen Positionsgröße handeln, während Sie Geld ansparen.

Einige Trader lehnen simuliertes Trading ab. Und zwar darum, weil es nicht das gleiche emotionale Training bietet wie Live-Trading.

Das ist richtig. Aber über mehr Anfangskapital zu verfügen, bedeutet höhere Erfolgsaussichten. Es ermöglicht Ihnen einen größeren Puffer, um mit Ihren Emotionen umzugehen zu können, wenn Sie mit dem echten Trading anfangen. Und da simuliertes Trading hilfreich ist, um Ihr Finanzkapital zu bewahren, rate ich Ihnen, sich dafür zu entscheiden.

Sorgen Sie dafür, dass Sie die Lebenshaltungskosten für mindestens zwei Jahre auf Ihrem Bankkonto haben. Zwei Jahre sind nur als Richtgröße zu verstehen. Bedenken Sie das Ziel: Sie wollen den Stress bei Ihrem täglichen Trading abbauen. Sparen Sie soviel, wie Sie benötigen, um sich finanziell sicher zu fühlen.

Halten Sie Ihre Lebenshaltungskosten niedrig. Weniger Kosten haben, über die man sich Sorgen machen muss, führt zu besseren Tradingentscheidungen. Und auch wenn Sie im Trading profitabel sind, werden Ihre Gewinne vermutlich volatil sein. Geringe Lebenshaltungskosten sind hilfreich, wenn Sie einen Engpass im Markt erleben.

Arbeiten Sie, während Sie traden. Wenn es Ihre Tradingmethode erlaubt, gehen Sie daneben einer beruflichen Tätigkeit nach. Eine weitere Einkunftsquelle zu haben, ist die beste Möglichkeit, um finanziellen Druck zu lindern.

Was mich anbelangt, habe ich einige Jahre Geld angespart und meinen Lebensstil heruntergeschraubt, bevor ich mit dem Trading in Vollzeit begonnen habe. Dies ist hilfreich, um finanziellen Druck vom Tradingprozess fernzuhalten.

Mir fällt es leichter, mich auf die Auswahl der richtigen Trades zu konzentrieren, wenn ich mir keine Sorgen über die monatlichen Tradingerträge machen muss.

2. Tradinghindernis: Unfähigkeit, in Wahrscheinlichkeiten zu denken

Wir sind mit Vorstellungen der Sicherheit erzogen worden.

  • Wenn du fleißig lernst, wirst du deine Prüfung bestehen.
  • Wenn du zur Arbeit gehst, wirst du dafür bezahlt.
  • Wenn du länger arbeitest, wirst du mehr erreichen.

Um jedoch gut zu traden, müssen Sie Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten akzeptieren.

Sie müssen akzeptieren, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Sie ist grau, und es gibt unzählige Schattierungen von grau.

Ein richtiger Trade kann zu Verlusten führen. Ein falscher Trade kann zu Gewinnen führen.

Mit einem Trade können Sie Geld verdienen, aber drei Trades bedeuten nicht, dass Sie mehr Geld verdienen werden.

Mehr Stunden für das Trading aufzuwenden, bedeutet nicht, mehr zu verdienen. Weniger Zeit aufzuwenden kann weniger Verluste bedeuten.

Trader, die Wahrscheinlichkeiten begreifen, werden nicht bereuen, einen Verlusttrade eingegangen zu sein. Sie tragen ihre Verlusttrades wie ein Ehrenabzeichen, sofern sie sich an ihren Tradingplan gehalten haben.

Wenn Sie nicht verstehen, warum ein Verlusttrade ein korrekter Trade sein kann, verstehen Sie nicht die Wahrscheinlichkeit.

Wie man die Unfähigkeit, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, überwindet

Lernen Sie, Entscheidungen zu überprüfen, indem Sie die Information benutzen, die Sie hatten, als Sie diese Entscheidung trafen. Beurteilen Sie Ihre Entscheidungen nicht nach den Ergebnissen.

Das Verhältnis zwischen Entscheidungen und Ergebnissen kommt erst langfristig zum Vorschein.

Das ist eine schwierige Angelegenheit. Aus diesem Grund scheitern auch die meisten Trader. Die meisten von uns unterschätzen, wie schwierig es ist, in Wahrscheinlichkeiten zu denken.

Glücklicherweise gibt es einige wichtige Bücher, die uns dabei helfen. Sie beziehen sich auf die Rolle des Zufalls in unserem Leben und die probabilitische Natur des Trading.

Folgende Bücher sollten Sie lesen:

Natürlich ist das kein leichtes Thema. Mit einigen Büchern ist es nicht getan.

Sie müssen beginnen, in Begriffen der Wahrscheinlichkeiten in Bezug auf Ihr Leben zu denken. Es handelt sich dabei um eine völlig neue Betrachtungsweise, die sich gänzlich von dem unterscheidet, was in unseren Gehirnen fest verdrahtet ist.

Sie brauchen viel Zeit dafür, damit sich dies dort absenkt.

3. Tradinghindernis: Mangel an Orientierung

Unabhängig von Ihrem Handelsansatz müssen Sie die Märkte analysieren und versuchen, sich im Laufe der Zeit zu verbessern.

Das heißt, dass Sie Ihre Beobachtungen, Trades und Ergebnisse im Zeitablauf verfolgen müssen. Sie müssen herausfinden, was funktioniert und was nicht funktioniert. Von heute auf morgen werden Sie die Antworten nicht finden. Sie müssen über einen längeren Zeitraum Daten sammeln, recherchieren und beobachten, um zu Schlussfolgerungen zu gelangen.

Deshalb sollten Sie Ihre Tradingstrategie oder wichtige Teile Ihres Tradingplans nicht ändern. Wenn Sie das tun, können Sie keine nützlichen Schlussfolgerungen ableiten.

Um Ihren Tradingvorteil ausfindig zu machen, brauchen Sie Orientierung.

Allerdings machen viele unerfahrene Trader genau das Gegenteil.

Der durchschnittliche unerfahrene Trader wird sich etwa so verhalten: Er probiert die Fundamentalanalyse aus. Er gerät in eine Verlustphase, also sucht er nach etwas anderem. Er probiert es mit der VSA (Volumen-Spread- Analyse), und gerät wieder in eine Verlustphase. Er gibt auf. Nun versucht er es mit einer phantastischen neuen Stochastik-Strategie. Erneute Verluste, und er gibt auf. Er hörte, dass das Schreiben von Optionen ein regelmäßiges Einkommen produziert. Er probiert es aus. Er gerät in eine Verluststrähne. Er gibt auf.

Nun, diese Geschichte kann sich endlos fortsetzen.

Es geht darum, dass Sie keine wirklichen Fortschritte in Ihrer Tradinglaufbahn erreichen, bis Sie anfangen, Orientierung zu schaffen.

Es ist völlig in Ordnung, zu forschen und verschiedene Märkte, Instrumente und Strategien usw. kennenzulernen. Das ist äußerst wichtig, um die Grundlage für Ihr Trading aufzubauen und Ihre Möglichkeiten zu erkennen.

Aber Sie müssen wissen, dass Sie erst dann wirkliche Fortschritte machen, wenn Sie sich spezialisieren.

Alle begnadeten Trader, die Jack D. Schwager für sein Buch Market Wizards  (Deutsche Übersetzung) interviewt hat, haben sich auf etwas spezialisiert. Auch wenn sie sich anscheinend oberflächlich mit vielen Märkten beschäftigt hatten, begannen sie schließlich damit, sich unter Verwendung eines Ansatzes auf einen Markt zu spezialisieren.

Trading mit Spezialisierung

Wie man mangelnde Orientierung überwindet

Hören Sie auf, dem nächsten Tradingbuch, dem Guru eines Forums oder einem Online-Kurs hinterherzujagen. Sie brauchen nur eine Sache, die für Sie sinnvoll ist.

Dann können Sie Ihre Suche aufgeben und Ihren eigenen Weg zum Erfolg finden.

  1. Wählen Sie einen Markt aus.
  2. Wählen Sie eine Strategie aus .
  3. Entscheiden Sie sich für ein Überprüfungskriterium. Beispielsweise überprüfen Sie alle 30 Trades über mindestens 30 Handelssitzungen.
  4. Verbessern Sie aufgrund dieser Überprüfung Ihren Tradingplan. Vermeiden Sie drastische und häufige Änderungen.

Dieser Vorgang kann langweilig sein. Auf diesem Weg werden Sie sich langweilen und könnten in Versuchung kommen, eine neue Strategie auszuprobieren. Genau das ist der Grund, warum es so schwierig ist, erfolgreich zu traden.

Schlussbemerkung

Es gibt viele weitere Hindernisse zum erfolgreichen Trading. Aber die drei genannten Hindernisse decken einige wichtige Bereiche ab, die dem Trading für den Lebensunterhalt entgegenstehen. Wenn Sie diese Hindernisse überwinden, kommen Sie dem Ziel, ein erfolgreicher Trader zu werden, viel näher.

Gehen Sie diese drei Hindernisse einzeln an.

Aber greifen Sie nicht ein Hindernis unbedacht heraus und legen dann los. Treten Sie einen Schritt zurück. Legen Sie eine Pause vom Trading ein, und denken Sie über Ihre Tradingerfahrungen nach. Finden Sie heraus, welches Hindernis für Sie das größte Problem darstellt.

Fangen Sie damit an.

 

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: 3 Key Trading Barriers and how to overcome them

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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