6 gute Ideen von 6 bereits verstorbenen Tradern

Trading ist sehr alt.

Unsere Vorfahren aus der Steinzeit handelten Feuersteine gegen Obsidian (Obsidian ist magnetisches Gestein, das zu den vulkanischen Gläsern gehört). Die historische Seidenstraße erhielt ihren Namen nach dem lukrativen chinesischen Seidenhandel.

Der Candlestick Chart, den wir nun verwenden, hat seinen Ursprung in den japanischen Getreidemärkten des 18. Jahrhunderts. Der große Reishändler dieser Epoche, Munehisa Homma, schrieb das erste Buch über die Psychologie des Marktes.

Tulpen Manie und Trading

Der erste sehr bekannte Crash eines Marktes entstand aufgrund der Tulpenmanie, weil in den Niederlanden Tulpenzwiebeln zu einem Spekulationsobjekt wurden, was zu einer Spekulationsblase führte. Das war im Jahr 1637.  Auf dem Höhepunkt der Tulpenmanie wurde eine Tulpenzwiebel gegen ganze Immobilien gehandelt.

Die gleichen mitreißenden Marktkräfte, von denen die Tulpenmanie ausgelöst wurde, konnten ihre Macht in der Folgezeit mehr als 350 Jahre lang aufrechterhalten.

Die Geschichte des Trading ist voller Ideen, Taktiken und Strategien, die auch Sie als Trader immer noch einsetzen.

Warum sollten Sie sich mit der Geschichte des Trading beschäftigen?

Sie werden dabei zum Beispiel das folgende zeitlose Gedankengut erlernen:

  • Verständnis der sich nie verändernden Psyche des Marktes
  • Die Grundlagen des Marktes, die Sie vergessen haben
  • Die falschen Methoden, die Sie beim Trading anwenden

Die Geschichte des Trading ist hilfreich, um sich auf die zeitlosen Tradingideen zu konzentrieren, indem sozusagen die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Geschichte ist häufig eine Mischung von Biographien von bedeutenden Vertretern des entsprechenden Fachgebiets, beschrieben aus unterschiedlichen Perspektiven.

Deshalb möchte ich Ihnen sechs bereits verstorbene Trader und deren beste Ideen vorstellen. Sie weilen zwar nicht mehr unter uns, aber ihre Gedanken finden nach wie vor Widerhall bei heutigen Tradern.

Einige Namen werden Ihnen bekannt sein. Manche werden Sie nicht kennen. Wichtig ist jedoch, wie Sie deren Gedanken in der Gegenwart anwenden können.

Das werden wir nun weiterverfolgen und damit zur Gegenwart zurückkehren.

(Es gibt jedoch keine bestimmte Reihenfolge.)

1. Je mehr Sie wissen, desto weniger zuversichtlich werden Sie sein: Charles Dow

Ungeachtet Ihrer Tradingerfahrung müssen Sie Charles Dow kennen, ob Sie totaler Anfänger oder ein erfahrener Profi sind. Zumindest sollten Sie den Aktienindex kennen, der nach ihm benannt ist.

Bild von Charles Dow

Charles Dow, Vater der technischen Analyse

Charles Dow (1851 – 1902) war ein amerikanischer Journalist, der das „The Wall Street Journal“ gegründet hat. Am besten ist er bekannt, weil der Dow Jones Index nach ihm und nach Edward Jones benannt wurde.

Er ist nicht nur ein Gigant unter den Finanzverlegern, sondern er ist auch eine Legende in der technischen Analyse. Er legte die Prinzipien der technischen Analyse fest: in der Dow-Theorie.

Mit seiner ungeheuer großen Erfahrung in den Märkten müsste er ein Mann der Zuversicht sein, was das Trading anbelangt. Oder auch nicht.

Bezugnehmend auf Marktbeteiligte an der Wall-Street erklärte er:

„Je mehr sie tatsächlich wissen, desto weniger zuversichtlich und selbstsicher sind sie.“

Er bezieht sich auf den tiefsitzenden Respekt vor Ungewissheit in den Märkten.

Was wissen Sie über die Märkte? Wie sicher sind Sie sich?

Wenn Sie sicher sind, dass Sie alles über die Märkte wissen, dann wissen Sie vielleicht nicht viel.

2. Geduld und Gewinne: William Delbert Gann

William Delbert Gann (1878 – 1955) erfand viele Tradingwerkzeuge, die von nützlichen bis zu exotischen reichen. Gann’s Techniken sind kühn und neuartig, was Kontroversen entfachte. Aus diesem Grund leben seine Ideen auch noch sechzig Jahre nach seinem Tod weiter.

Bild von W.D. Gann

W.D. Gann

Er ist kein Erfinder von Tradinginstrumenten, aber dennoch ein produktiver Autor. Seine Bücher handeln nicht nur von geometrischen Tradingwerkzeugen. Sie können dort auch Tradingweisheiten finden, die anwendbar sind, selbst wenn Sie nicht mit seinen Tradingmethoden übereinstimmen.

Gann wusste, dass Trader den Einstieg in einen Trade herbeisehnen, aber zumeist nicht wissen, was danach folgt.

Als Mahnung schrieb er:

„Wenn Sie einen Trade eingehen, müssen Sie die Geduld aufbringen, die richtige Gelegenheit zum Ausstieg abzuwarten und somit Gewinne zu erzielen.“

Vergessen Sie das nicht. Denken Sie daran, dass der Einstieg in einen Trade lediglich den ersten Schritt darstellt. Es ist der Ausstieg, der über das Resultat jedes Trades entscheidet.

Gehen Sie davon aus, dass Sie warten müssen, bis sich die Kurse entwickeln. Ja, rechnen Sie damit, dass Sie abwarten müssen.

Denken Sie um und üben Sie sich in Geduld. Sonst werden Sie ängstlich und unruhig, während Sie warten, bis sich ein Trade entwickelt.

Dann werden Sie mehr als Sie sollten in Ihre Position hineinpfuschen.

3. Sie können einfach nicht alles bekommen: Jesse Livermore

Jesse Livermore (1877 – 1940) war ein bedeutender Spekulant, der in seiner Hochphase unter heutigen Bedingungen über 100 Millionen erworben hat. Er führte seinerzeit ein äußerst dramatisches Leben an der Wall Street, und mehr als einmal verlor er ein ungeheuer großes Vermögen.

Das Buch über sein Leben und seine Laufbahn „Das Spiel der Spiele“ ist eine großartige Lektüre. Es bietet einen Einblick in die inneren Gedanken eines wirklich erfahrenen Traders. Um Ihnen einen Eindruck dessen zu vermitteln, was Sie daraus gewinnen können: Alan Greenspan beschrieb ihn als „Quelle der Weisheit für Investoren“.

Lesen Sie hierzu den Artikel: „Price Action Tradingtipps von Jesse Livermore“

Trotz seines Erfolgs hatte Jesse Livermore eine realistische Einstellung zum Markt, und das drückte Livermore folgendermaßen aus:

„Niemand kann alle Kursbewegungen erwischen.“

Das ist eine wichtige Erkenntnis.

Wenn Sie das begreifen, werden Sie aufhören, nach der perfekten Methode zu suchen, um jede Kursschwankung zu erfassen. Sie werden sich stattdessen auf Konstanz und Kontinuität konzentrieren.

Wenn Sie anderer Meinung sind, werden Sie weiterhin nach dem Heiligen Gral suchen. Dann werden Sie immer wieder auf Betrüger hereinfallen, die Ihnen unglaubliche Gewinne versprechen.

4. Akzeptanz und nicht Beharren: Nicolas Darvas

Nicolas Darvas (1920 – 1977) wurde in Ungarn geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften. Sein Leben war bewegt, weil er zunächst ein Tänzer war und dann ein Trader wurde.

In seinem Buch How I made $2,000,000 in the Stock Market  (Deutsche Übersetzung) können Sie alles über ihn nachlesen.

Ein weiteres Buch von Nicolas Darvas in deutscher Sprache: „Die Darvas-Methode“

Die Darvas Box

Wie viele von uns war auch Nicolas Darvas als Trader ein Autodidakt. Wenn er nicht tanzte, verbrachte er seine Zeit mit dem Lesen von Büchern, und zwar las er bis zu acht Stunden pro Tag. Er las etwa 200 Bücher über die Spekulation in den Märkten.

Amazon gab es damals noch nicht. Um diese vielen Bücher durchzuarbeiten, bedurfte es einer großen Leidenschaft und Liebe für das Trading.

Sein entscheidender Grundgedanke war folgender:

„Ich akzeptierte alles, so wie es war und nicht so, wie ich es haben wollte.“

Die Marktkräfte sind mächtig. Und das ist noch einen Untertreibung.

Es ist unmöglich, den Markt zu beherrschen. Aus diesem Grund müssen Trader diese Tatsache akzeptieren und nicht kontrollieren.

Aber zu akzeptieren, ist eine beachtliche Leistung. Wir sind aber darauf geeicht, Kontrolle auszuüben. Wir fühlen uns wohl und sicher, wenn wir alles beherrschen und das bekommen, was wir wollen. Sich mit einem Mangel an Kontrolle wohlfühlen zu können, erfordert harte mentale Arbeit.

5. Etwas 100%iges gibt es nicht im Trading: Richard Wyckoff

Richard Wyckoff (1873 – 1934) war nicht nur ein erfolgreicher Trader, sondern er machte sich auch einen Namen als wichtiger Lehrer von privaten Tradern.

Wyckoff ging es bei seiner Lehrtätigkeit um Klarheit. Dabei entwickelte er das Konzept des „Composite Operator“, also um einen Anwender, der mehrere Komponenten miteinander kombiniert: In diesem Sinne richtete er sein Hauptaugenmerk auf die Price Action im Zusammenhang mit dem Handelsvolumen sowie auf die Struktur von Angebot und Nachfrage. Der Begriff bringt somit zum Ausdruck, dass es sich bei dieser Kombination um eine Einheit handelt.

Das Ziel ist somit, den „Composite Operator“ aufgrund von Price Action und Volumen zu verstehen.

Sobald Sie die Gedanken des „Composite Operator“ erfasst haben, können Sie dieses Prinzip umsetzen und zwar nur dieses alleine.

Wyckoff hat die Vorgehensweisen von vielen bekannten Spekulanten studiert, zu denen auch Jesse Livermore, E. H. Harriman und J. P. Morgan gehörten.

Selbst dabei war er sich der Mythen über garantierte Perfomance absolut bewusst.

„Erfolg beim Trading bedeutet, mehr Gewinne als Verluste zu erzielen. Wenn Ihnen jemand erzählt, dass er fast immer erfolgreich sei, so können Sie davon ausgehen, dass er Ihre Leichtgläubigkeit ausnutzt.“

Hören Sie auf den Rat dieses Mannes, der auf seine Art tradete und ein Anwesen neben Alfred Sloan von General Motors kaufte. Und hören Sie nicht mehr auf jemanden, der Ihnen erzählt, dass er ein großer Trader ist, der Ihnen Erfolg garantieren kann.

6. Die Emotionen des Marktes sind von entscheidender Bedeutung: Munehisa Homma

Munehisa Homma (1724 – 1803) war der reichste Getreidehändler seiner Zeit. Er ist weithin bekannt, da er die Candlestick-Charts erfunden hat. Als ältester Händler dieser Auswahl haben seine Gedanken die Zeit überdauert und sind nun bei uns angekommen.

Es gibt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen den Methoden von Homma und der gegenwärtigen technischen Analyse. Diese Ähnlichkeiten beinhalten die Vorrangstellung der Kurse, die Psychologie des Marktes und die Trends der Kursbewegungen.

Wenn Sie nach einem Ansatz suchen, der sich auf das Wesentliche konzentriert, sollten Sie bei Homma nachschauen. Das wird Sie davor bewahren, sich durch die neuesten Indikatoren, die im Umlauf sind, verwirren zu lassen.

Wie schon am Beginn des Artikels erwähnt, schrieb er das erste Buch über Marktpsychologie: „The Fountain of Gold – The Three Monkey Record of Money“.

„…die Emotionen des Marktes zu analysieren, könnte Sie dabei unterstützen, den Kurs vorherzusagen…“

Bei der technischen Analyse geht es nicht nur um Formationen. Es geht um Psychologie und Emotionen.

Das sagt der Vater der Candlesticks sagt das so:

Erklärung Candlestick

Oberer Schatten – Kerzenkörper – Unterer Schatten | Hoch – Schlußkurs – Eröffnung – Tief

 

Die besten Ideen, die wir von bedeutenden Tradern übernehmen können, sind nicht deren Tradingstrategien. Die zeitlosen Ideen drehen sich um deren Einstellung zum Risiko und um Methoden, die Psyche beim Traden in den Griff zu bekommen.

„Entschuldigen Sie, aber wo ist mein Lieblingstrader?“, könnten Sie fragen.

Sie haben vielleicht gemerkt, dass einige Namen in dieser Aufstellung fehlen. Es handelt sich hierbei keinesfalls um eine umfassende Liste.

Wenn Sie von den besten Tradern lernen wollen, tot oder lebendig, empfehle ich Ihnen unbedingt die Bücher von Jack D. Schwager aus der Reihe „Magier der Märkte“

 

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: 6 Good Ideas from 6 Dead Traders

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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