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Gold: Das große Bild

Analyst: Björn Heidkamp
Markt: Gold Future Endlos Kontrakt (COMEX)
Zeitpunkt der Analyse: 14.11.2021
Letzter Kurs: 1.786,60 USD/Unze

Der abgebildete Chart zeigt die historische Kursentwicklung des Gold Futures von 1974 bis heute, bei Kursen von 1.786,60 USD/Unze. Ein Notierungsstab bildet die Kursschwankungen des Gold Futures für ein Kalenderjahr ab.

Gold Futures im Jahreschart
Gold Futures im Jahreschart

Gold-Hausse in 2019 wieder aufgenommen

Als Ausgangspunkte für die stärkste Gold-Hausse der Geschichte sind die Marktwendepunkte aus dem August 1999 bei 252,50 und dem Februar 2001 bei 255 zu definieren. In einer fulminanten Rally legte das gelbe Edelmetall von Februar 2001 bis September 2011 um mehr als 1.650 zu. Dort wurde eine fast neun Jahre bestehende Bestmarke bei 1.908,60 erreicht.

Ausgehend von diesem historischen Hochpunkt korrigierte der Goldpreis bis Dezember 2015 zurück bis auf das Niveau des Jahrestiefs aus 2010 auf 1.049,60. 

Im Zeitraum von März 2014 und Juni 2019 handelte das gelbe Edelmetall in einer richtungslosen Seitwärtsbewegung zwischen 1.050 und 1.390.

Im Juni 2019 hat Gold den Bereich erhöhter Abgabebereitschaft um 1.390 klar überschritten, so dass diese mehrjährige Bodenbildung abgeschlossen wurde. Dadurch befindet sich der Gold Future aus der langfristigen Perspektive des Jahrescharts wieder in dem vorherigen Hausse-Trend.

Durch die darauffolgende Anschlussbewegung hat das gelbe Edelmetall vorerst am 06. August bei 2.063 eine neue Bestmarke in den Chart geschrieben und somit den seit 1999 bestehenden langfristigen Aufwärtstrend erneut etabliert.

Innenstab im Gesamtjahr 2021

Im abgelaufenen Jahr hat der Gold-Future bei 1.956 das Jahreshoch und bei 1.673,30 das Jahrestief erreicht. Damit wurden weder das Vorjahreshoch über- noch das Vorjahrestief aus 2020 unterschritten. Charttechnisch spricht man bei einem derartigen Verlauf von einem (Abwärts-)Innenstab mit einem Schlusskurs entgegen dem Haupttrend. Typischerweise handelt es ich bei einem Innenstab um eine Konsolidierungsformation.

Innenstab im letzten halben Jahr

Im Zeitraum von Juli bis Dezember 2021 hat sich die Schwankungsbreite weiter verringert. Mit einem Hoch bei 1.877,60 und einem Tief bei 1.720,1 wurde weder das Hoch der ersten Jahreshälfte über- noch das Tief der ersten Jahreshälfte unterschritten. Innerhalb des Innenstabes  des Jahres hat sich demnach ein „kleinerer“ Innenstab mit niedrigerer Volatilität ausgebildet.

Gold Futures im Halbjahreschart
Gold Futures im Halbjahreschart

Kaufsignal, ohne Kaufdruck

Im November wurde durch das Überschreiten des Vorquartalshochs bei 1.839 ein Kaufsignal. Trotz guter saisonaler und technischer Ausgangslage gelang es den Bullen bis dato jedoch nicht eine Goldrally auszulösen. Bei 1.877,60 stoppte die Aufwärtsbewegung vorerst. Entgegen der Wahrscheinlichkeit fielen die Kurse des gelben Edelmetalls danach wieder zurück in den vorherigen mittelfristigen Konsolidierungsbereich. Diese negative Tatsache sollte von den Bullen zumindest als Warnsignal interpretiert werden.

Gold Futures im Quartalschart
Gold Futures im Quartalschart

Gold wieder in mittelfristiger Konsolidierung

Aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts ist der Gold-Future wieder in die seit Ende Juni bestehende richtungslose neutrale Konsolidierung zurückgefallen. Die Kombination aus Wechselstäben und plötzlichen Richtungswechseln ist typisch für einen solchen richtungslosen Stauraum. In der abgelaufenen Börsenwoche hat sich die Abwärtsdynamik beschleunigt, dabei wurde bei 1.781,10 ein neues 20-Tagestief erreicht.

Gold Futures im Wochenchart
Gold Futures im Wochenchart

Gute Saisonalität bis Ende Februar

Bei der Betrachtung der typischen Durchschnittsverläufe aus der Vergangenheit zeigt sich der Goldpreis in den ersten beiden Monaten des Jahres üblicherweise als besonders gut gelaunt und sollte somit im Normalfall den Bullen in die Karten spielen.

Fazit

Aus der Perspektive der „großen“ Zeiteinheiten befindet sich das gelbe Edelmetall in einem langfristigen Aufwärtstrend, sodass die langfristigen Erfolgschancen weiter auf der Long-Seite zu finden sein sollten. 

Ein Ausbruch aus dem Innenstab auf dem Jahreschart mit den Extrempunkten bei 1.673,30 und 1.956 sollte die Trendrichtung der nächsten Monate vorgeben. 

Innerhalb der großen angegebenen Konsolidierung des Jahrescharts befindet sich mit dem zusätzlichen Innenstab des letzten halben Jahres (Hoch bei 1.877,6; Tief bei 1.720,10) ein engerer Seitwärtsbereich. Diese mittelfristige Konsolidierung beschäftigte die Goldinvestoren das letzte halbe Jahr.

Bei Kursen über 1.880, ist als nächsthöherer Widerstandsbereich die Zone um 1.950 und 1.962 zu nennen. 

Überschreitet Gold den Bereich um 1.970 dürfte ein weiterer Anstieg im Richtung Bestmarke bei 2063 anzunehmen sein. Insbesondere bei neuen historischen Höchstständen ist mit weiterem Kurspotential zu rechnen. Kurse zwischen 2.200 und 2.400 sind durchaus im Bereich des Realistischen.

Bei Kursen unter 1.720 ist ein Absinken in Richtung 1.670 zu erwarten. 

Wird das Jahrestief klar unterschritten ist von weiter fallenden Goldpreisen bis mindestens 1.500 auszugehen. 

Trotz erster Warnhinweise bleibt die Wahrscheinlichkeit für einen Anstieg über die jeweiligen Innenstäbe immer noch etwas größer als ein Verlassen des angegebenen Konsolidierungsbereiches  nach unten.