Gier und Wahnsinn – Money for Nothing

Die Geschichte der Menschheit wird sowohl von großen Fortschritten als auch dunklen Seiten von Fanatismus, Machtgier und Scharlatanerie geprägt. Das als Titel dieses Artikels ausgewählte Buch von Charles Mackay bietet einen einzigartigen Überblick der letzteren. Es erschien im Jahre 1841 und ist damit das erste Werk, welches chronologisch die Irrwege von Menschen aufzeichnet, die falschen Propheten glaubten oder ihnen zum Opfer fielen. Besonders betroffen waren Menschen, denen versprochen wurde, aus Blei Gold und Silber zu gewinnen, den Stein der Weisen zu finden, Krankheiten sofort zu heilen oder ein ewig jung erhaltendes Elixier zu erwerben. Der gleiche Autor war es auch, der erstmalig beschrieb, wie leichtgläubig Menschen auf den Finanzmärkten Utopien erlagen. Der englische Titel dieses Buchs lautet: Memoirs of Extraordinary Popular Delusions: The Madness of Crowds. A History of Popular Folly  Deutsche Übersetzung: Gier und Wahnsinn: Warum der Crash immer wieder kommt…

Heiße Luft oder real?

Kritisch wird es für blauäugige Investoren oder naive Möchtegern Trader besonders dann, wenn sie sich von Ergebnissen beeindrucken lassen, die mit Spielcasino Mentalität erzielt wurden oder rein fiktiv sind. Werbungen dieser Art erscheinen märchenhaft und können wie folgt lauten:

150% in 3 Wochen mit Forex, Reich mit Binären Optionen, von 500 Euro auf 5000 in nur 6 Monaten, Millionär in 6 Wochen, dieses System nur noch für 10 Teilnehmer erhältlich…

Das Internet ist voll mit ähnlichen Versprechungen aus heißer Luft. Leider werfen solche Aussagen ein schlechtes Licht auf die gesamte Tradingbranche. Diese wird von einigen Medien mittlerweile auch als Zockerbranche stigmatisiert.

Hinterfragt man die Risiken, die mit gehebelten Handelsinstrumenten im Verhältnis zur Größe des Tradingkontos eingegangen wurden, dann beträgt der Prozentsatz nicht selten 10% pro Trade und weit mehr, vielleicht sogar „All in“. Dieses ist nach Ansicht von erfahrenen Tradern jedoch der sicherste mittelfristige Weg ins Armenhaus.

R Multiples zur objektiven Bewertung von Risiko, Profit und Verlusten

Für all diejenigen, die ihr Geld gerne in Eigenregie verwalten, verdienen oder verlieren möchten, bietet der seit langem auf dem Gebiet des Trade- und Risikomanagements etablierte Autor und Psychologe Dr. Van Tharp eine Formel an, die sich auf jede Portfoliogröße übertragen lässt. Diese ist bedeutend objektiver als undifferenziertes Zahlenmaterial. (Quelle: Van Tharp: Trading Beyond the Matrix. The Blue and Red Pill for Traders).

Demnach werden Gewinne und Verluste nicht in Prozenten berechnet, sondern in eine Größe umgewandelt, die „R Multiple“ benannt wird. Hierbei wird das Ergebnis eines Trades unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos dargestellt. Das jeweils eingegangene Risiko, egal in welcher Summe ausgedrückt, bleibt immer 1 R.

Beispiel 1:

Ein Trader setzt bei einer Long- oder Shortposition einen Verluststopp von 100 €. Wird er mit diesem Verlust ausgestoppt, dann lautet das Ergebnis: minus 1 R. Bringt ihm dieser Trade einen Gewinn von 250 €, dann ist das Ergebnis plus 2,5 R.

Beispiel 2:

Er löst diesen Trade mit 30 € Verlust auf, weil dieser nirgendwo hingeht oder die Basis seiner Idee entfallen ist. Die Formel lautet:

-30 : 100 =  -0,3 R

Um seine eigene Gesamtleistung neutral zu bewerten, sollten die in regelmäßigen Abständen gemessenen R Multiples möglichst positiv sein. Je öfter, desto besser. Eine weitere Voraussetzung für den Handel mit Derivaten besteht darin, bei keinem Trade mehr als 1 % des Tradingkontos zu riskieren.

Mehr dazu: Van Tharp erklärt sein Money Management with Mulitple R

Lernen aus dem Tierreich

Auf Finanzmärkten herrscht nicht erst seit gestern das Gesetz des Dschungels. Gute Trader verhalten sich wie Chamäleons. Auch sie durchschreiten Verlustphasen, weil sich das Verhalten von Mr. Market ständig verändert. Je schneller sie in der Lage sind, ihre Tradingwerkzeuge situationsgerecht anzupassen und einzusetzen, desto erfolgreicher sind sie. Dieses setzt Erfahrung voraus und erfordert ein lebenslanges Studium. Wer das nicht akzeptiert und nur blaue Pillen nimmt, wird zu den 90 Prozent gehören, die schon nach einigen Monaten vom Markt ausgelöscht werden.

Damit nähern wir uns den ersten 3 Prinzipien eines Short Term Traders:

  1. Verluste begrenzen
  2. Verluste begrenzen
  3. Verluste begrenzen.

Fazit:

Beeindruckende Performances haben keine Aussagekraft, solange man nicht genauere Informationen besitzt über die Risiken, mit denen sie erkauft wurden. Objektivere Parameter, wie der hier vorgestellte R Multiple, ermöglichen es einem Trader, unabhängig von der Größe seines Portfolios, Leistungen bedeutend realitätsnäher zu analysieren und zu beurteilen.

 

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