Geht dem DAX die Puste aus?

Markt: DAX-Index (Xetra)
Zeitpunkt der Analyse: 23.03.2019
Letzter Kurs: 11.364 Indexpunkte

Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des deutschen Aktienindex DAX von 1989 bis heute, bei Kursen von 11.364 Indexpunkten. Jeder Notierungsstab stellt die Kursbewegung des DAX für ein Quartal dar.

DAX-Index Quartalschart generiert Verkaufssignal

Im Oktober 2018 wurde die seit 2009 bestehende eingezeichnete Aufwärtstrendlinie klar unterschritten. Aus der Sichtweise der klassischen Chartanalyse wurde damit ein langfristiges Verkaufssignal generiert. In der darauffolgenden rasanten Abwärtsbewegung fielen die Kurse bis Ende Dezember auf ein Bewegungstief bei 10.279.

MACD mit Verkaufssignal

Erstmals seit Mitte 2012 hat der MACD Indikator auf dem Quartalschart im letzten Quartal 2018 seine Signallinie von oben nach unten klar durchstoßen und dadurch ein technisches Verkaufssignal geliefert. Solche Ereignisse finden naturgemäß nicht allzu oft statt.

Natürlich ist der MACD Indikator, besonders in der Alleinbetrachtung, nicht das Evangelium, aber in Kombination mit dem realen Kursgeschehen, wie z.B. einem Unterschreiten einer wichtigen Aufwärtstrendlinie oder eines wichtigen Unterstützungsbereiches, erhöht sich die analytische Bedeutung.

DAX testet 200-Tage-Linie

Ausgehend von dem Zweijahrestief im Dezember stiegen die Kurse in einer beeindruckenden Erholungsrally um über 15% auf 11.823.

Zusammenfassend ist der gesamte Bereich zwischen 11.700 und 12.000 ein starkes Widerstandsniveau, resultierend aus wichtigen Marktwendepunkten der letzten beiden Jahre und wichtigen gleitenden Durchschnitten wie z. B. der 200-Tage-Linie bei 11.760.

Trifft nun eine erschöpfte Aufwärtsbewegung (über 1.500 Punkte in drei Monaten) auf ein solches Widerstandsniveau, so verschlechtert sich das Chance-Risiko-Verhältnis für die Bullen und Märkte werden idealtypisch anfällig für einen Rücksetzer, da sich die Abgabebereitschaft der Marktteilnehmer mit zunehmenden Kurssteigerungen erhöht. Zumindest dürften kurz- und mittelfristige Investoren ihre Gewinnrealisierungsstopps näher an das aktuelle Kursgeschehen platzieren, so dass es bei fallenden Kursen in der Regel zu einer Beschleunigung der Abwärtsbewegung kommt.

In der abgelaufenen Börsenwoche war dieses Phänomen zu beobachten. Auslöser einer starken Abwärtsbewegung war ein erster Test der 200-Tage-Linie. Erstmalig seit August 2018 befand sich der DAX wieder im Bereich um diesen viel beobachteten gleitenden Durchschnitt.

Aufwärtstrendlinie der Jahresauftaktrally unterschritten

Durch den Abverkauf in der Zone um die 200-Tage-Linie verlor der DAX um mehr als 450 Punkte in vier Tagen. Im Zuge dieser Abwärtsbewegung wurde die Aufwärtstrendlinie der bestehenden Erholungsbewegung seit Ende Dezember erstmalig unterschritten. Aus der Perspektive der klassischen Chartanalyse wurde damit ein mittelfristiges Verkaufssignal generiert. Insgesamt handelt es sich bei dem Wochenverlauf um einen bärischen Außenstab.

DAX-Index Tageschart mit 200 Tage Linie
DAX-Index testet 200 Tage Linie und verliert nachfolgende 450 Punkte

Fazit unserer Chartanalyse des DAX-Index:

Aus der langfristigen Perspektive befindet sich der DAX in einem etablierten Abwärtstrend. Die seit Ende Dezember laufende Aufwärtsbewegung ist lediglich als Erholung auf den Kursverfall der Abwärtsbewegung seit Mai 2018 zu werten. Mit dem Hoch der Vorwoche bei 11.823 wurde der 50% Fibonacci-Korrekturbereich auf diese Abwärtsbewegung knapp überschritten.

Durch das Kursgeschehen des Wochenverlaufs wurde die mittelfristige Erholungsbewegung unterbrochen. Dieser Rücksetzer kann bis in die Zone zwischen 11.100 und 10.900 führen, ohne den mittelfristigen Aufwärtsimpuls zu gefährden.

Ob es sich um eine gesunde Korrektur auf die Jahresauftaktrally oder eine Wiederaufnahme des übergeordneten Abwärtstrends handelt, lässt sich noch nicht abschließend klären, da bis auf das Verlassen des angegebenen Aufwärtstrends weder eine kurz- noch eine mittelfristige obere Umkehrformation ausgebildet wurde.

Trotz dessen und der Tatsache, dass die nächsten Wochen saisonal tendenziell zu den stärkeren zählen, überwiegen die technischen Hinweise leicht, dass das zweitgenannte Szenario das etwas wahrscheinlichere ist.

Aus Sicht der Bullen ist daher die Verteidigung der Marke von 10.860 zur Aufrechterhaltung der positiven Ambitionen elementar. Bei Notierungen darunter ist mit weiter fallenden Kursen bis 10.500 und 10.300 zu rechnen.

Steigt der DAX über 11.823 ist mit weiter steigenden Kursen innerhalb des Widerstandskorridors bis 12.000 zu rechnen.

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