DAX: Entwarnung oder Bärenmarktrally? (2020)

Analyst: Björn Heidkamp
Markt: DAX-Index (Xetra)
Zeitpunkt der Analyse: 26.04.2020
Letzter Kurs: 10.336 Indexpunkte

Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des deutschen Aktienindex DAX von 1991 bis heute, bei Kursen von 10.336 Indexpunkten. Jeder Notierungsstab stellt die Kursbewegung des DAX für ein Quartal dar.

DAX Quartalschart

Von der Bestmarke in den Bärenmarkt

Noch am 17. Februar erreichte das deutsche Börsenbarometer bei 13.795 knapp einen historischen Höchststand. 

Ausgelöst durch die Furcht vor einer Coronavirus-Pandemie stürzten die Kurse ab der letzten Februarwoche panisch um mehr als 5.500 Punkte bis auf 8.256. Innerhalb von rund vier Wochen rutschten die wichtigsten weltweiten Aktienmärkte in einer historisch einzigartigen Art und Weise von einem Rekordhoch um etwa 40% in einen Bärenmarkt.

Langfristig wichtige Unterstützungen temporär unterschritten

Viele wichtige Unterstützungen, wie beispielsweise die seit 2003 bestehende eingezeichnete langfristige Aufwärtstrendlinie (aktuell bei etwa 9.100, die seit Januar 2016 bestehende eingezeichnete Aufwärtstrendlinie (aktuell bei etwa 11.200) oder wichtigen Marktwendepunkten um 10.200 wurden ohne Gegenwehr unterschritten, so dass sich das langfristige Chartbild deutlich verschlechtert hat. 

Alte Allzeithochs aus 2000 und 2007 stoppen Kursverfall

Am 16. März endete der extreme Kursverfall rund um die bedeutsame Unterstützungsebene um die Höchststände aus den Jahren 2000 und 2007 bei 8.256. Grundsätzlich bieten solche ehemalige starken Widerstände und jetzige Unterstützungen eine aussichtsreiche Chance eine langfristige untere Umkehrformation auszubilden. 

Noch ist die aktuelle Aufwärtsbewegung jedoch lediglich als Gegenbewegung auf den 40%igen „Corona-Kursverlust“ zu sehen.

Mittelfristig noch keine untere Umkehrformation

Der seit Mitte März laufende aktuelle Aufwärtsimpuls stoppte vorerst am 14. April bei 10.820. Dabei wurde aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts noch keine untere Umkehrformation ausgebildet oder vollendet, so dass es vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich ist, dass die Aktienbullen wieder das Zepter übernommen haben, ohne dass der DAX nicht wenigstens ein weiteres Mal stark zurückzufällt. 

Idealtypischerweise sind sogenannte „V-Formationen“ eher selten zu beobachten, so dass die Wahrscheinlichkeit für eine „Bärenmarktrally“ aktuell größer einzuschätzen ist.

Mögliche Kursziele einer „Bärenmarktrally“

Gemäß natürlicher Ordnung lassen sich mit Hilfe der Fibonacci-Retracments mögliche Kursziele im Verhältnis zu der vorherigen Abwärtsbewegung ableiten: Das 38,2%ige Fibonacci-Erholungsniveau bei 10.370 wurde schon erreicht. Bei etwa 11.000 und 11.670 befinden sich das 50%ige und das 61,8% Erholungsniveau. Erst Kurse darüber oder eine noch nicht ausgebildete untere Umkehrformation stellen den langfristigen Abwärtstrend in Frage.

Offene Notierungslücke

Zwischen 11.447 und 11.032 befindet sich eine offene Notierungslücke (Gap). Solch ein Gap im Abwärtstrend ist als Widerstand zu charakterisieren. Bei Kursen über 10.820 besteht eine berechtigte Chance, dass die Bullen versuchen diese Lücke zu schließen. In Kombination mit den angegebenen Fibonacci-Niveaus sind Kurse über 11.500 aktuell eher unwahrscheinlich.

Markt beruhigt sich, Innenstab auf Wochenchart

Bezogen auf die hektischen Kursbewegungen des Zeitraums von Mitte Februar bis Mitte März ist in den letzten beiden Wochen ein Rückgang und somit eine Normalisierung der Volatilität zu beobachten. Mit etwas über 450 Punkten weist der DAX die niedrigste Schwankungsbreite der letzten sieben Wochen auf. Weder das Vorwochenhoch, noch das Vorwochentief wurden über- oder unterschritten. Typischerweise konsolidieren die Kurse dabei auf einer niedrigeren Zeiteinheit. 

DAX Wochenchart

Fazit:

Aus der langfristigen Perspektive des Quartalscharts befindet sich der DAX in einem klaren Abwärtstrend. Durch den „Corona-Kursverfall“ sind viele wichtige langfristige Chartmarken unterschritten worden. 

Die aktuelle Aufwärtsbewegung ist lediglich als „Bärenmarktrally“ zu bewerten. Weder mittel- noch langfristig wurde eine untere Umkehrformation ausgebildet.

Bei Kursen unter 10.100 ist ein erneuter Abwärtsschub bis mindestens 9.500 und 9.100 realistisch. 

Von elementarer langfristiger Bedeutung für die Bullen für die Aufrechterhaltung einer möglichen Trendwende ist die Unterstützungszone um das Bewegungstief aus dem März bei 8.256 und die Höchststände aus 2000 und 2007 bei 8.140. Bei Kursen darunter droht weiteres erhebliches Abwärtspotential.

Steigt der DAX über 10.820 steigt die Chance, dass die Bullen versuchen im Zusammenhang mit den genannten Fibonacci-Retracements die angegebene offene Notierungslücke zu schließen. Jedoch erst Kurse über 11.700 verbessern das langfristige Chartbild.

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